Über die Sachsenburger DIETRICH Familien
               und Ihres Grundbesitzes.
        Seit mehr als 465 Jahre auf der selben Scholle.
    Von Studienrat Max Kästner (1934) Frankenberg in Sachsen
             Roland Dietrich (1989) Unterensingen
      Mein Dank gilt besonders: Andrea Dietrich (Berlin)
      Christian Dietrich und Oliver Dietrich (Bayreuth)
                sowie Antje Schubert (Altenhain)
           Sie alle, haben mich besonders unterstützt.

E I N L E I T U N G

Die Geschichte der Sachsenburger Bauernfamilie Dietrich ist bereits in der Arbeit von Sanitätsrat Dr. Max Dietrich, Minden in Westfalen, mitbehandelt, die den Titel trägt: " Aus Sachsenburg in Sachsen, Chemnitz, Torgau, Bad Schmiedeberg stammender Dietrich'scher Familienbund" Minden 1933. (Selbsverlag). Darin werden auf Seite 37-40, "die Sachsenburger ältesten Dietrich Familien" dargestellt und innerhalb dieser ältesten Geschlechter nicht weniger als 11 Dietrich - Familien unterschieden, von denen 7 in Sachsenburg und 4 in dessen nächster Umgebung (2 in Dreiwerda, je 1 in Neusorge und Wolfsberg) ihren Sitz haben. Dem Verfasser standen aber für diesen Teil seiner Arbeit nur 35 Urkunden aus den Sachsenburger Kirchenbüchern zur Verfügung (a.a.O.Seite 3 und briefliche Mitteilung), und so kommt er zu dem Schluß: "Die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser 11 verschiedenen Dietrich - Familien sind bisher noch nicht geklärt". Demgegenüber haben wesentlich günstigere Arbeitsbedingungen es mir ermöglicht, diese Beziehungen aufzuklären und darüber hinaus auf den folgenden Blättern die Geschichte der Sachsenburger Dietrich - Familien in in ihrem äußeren Verlauf vom Jahre 1529 bis zur Gegenwart fast lückenlos darzustellen. Mir standen sämtliche Dietrich-Urkunden der Sachsenburger Kirchenbücher zu Verfügung, aus der Zeit von 1594-1699 allein ihrer 94, aus der Zeit von 1700 bis zur Gegenwart über 200. (Von diesen insgesamt 300 Urkunden sind nur die aus den letzten 100 Jahren, seit 1832, nicht wörtlich angeführt.) Aber die nochsoweit getriebene Vollständigkeit der Kirchlichen Nachrichten allein hätte noch nicht zu einwandfreien Ergebnissen geführt. Dieses Ziel wurde erst erreicht durch die Feststellung der Kaufgeschichte sämtlicher Sachsenburger Bauerngüter und Bauernwirt schaften ("Gartennahrungen") aus den gerichtlichen Kaufbüchern. Besonders bei den sogenannten Erbkäufen werden immer sämtliche Erbberechtigten Familienmitglieder genannt, woraus sich nicht nur zuver lässige Nachforschungsmöglichkeiten der aus den Kirchenbüchern erschlossene Verwandtschaften ergeben, sondern häufig genug auch Hinweise auf weiter ausgreifende Familien Zusammenhänge, die man nachträglich aus den Kirchenbüchern bestätigen kann, wo sie ohne den Hinweis kaum oder mindestens nicht so leicht entdeckt worden wären. So ergänzen und befruchten sich Kirchen - und Kaufnachrichten gegenseitig: keine von beiden Forschungsweisen führt für sich allein zu befriedigenden Ergebnissen, erst ihre Vereinigung läßt reife Früchte entstehen. Hinzu kommt noch folgendes: Die Kenntnis der Kaufgeschichte des bäuerlichen Grundbesitzes setzte sich in den Stand, auch die Frondienst und Landsteuerregister der Herrschaft Sachsenburg in den Dienst der Familienforschung zu stellen. Wenn im 16. Jahrhundert der juristisch gebildete Stadtschreiber zu Frankenberg, der zugleich Schreiber des Herrschaftlich Sachsenburgischen Gerichts war, " auf gnädigsten kurfürstlichen Befehligt " sich anschickte, eigenhändig, denn Schreiber niederen Ranges standen ihm nicht zu Gebote die Liste aller unter Schönbergischer Gerichtsbarkeit stehenden Haus und Grundbesitzer niederzuschreiben, um ihre Spann und Handdienste und ihre Zinsstücke im sogenannten Erbzinsregister oder Erbbuch festzulegen, oder damit sothane Schönbergische Unterthanen nach Maßgabe ihrer Schocksteuerveranlagung zur Türken-,Schuld oder Landsteuer herangezogen werden konnten, hat sich der gelehrte Herr gewiß nicht Träumen lassen, daß seine sorgfältige Arbeit für einen Forscher des 20. Jahrhunderts so ziemlich das einzige Mittel sein würde, um die Familien und Gutsgeschichte der ehemals Schönbergisch- Sachsenburgischen Bauern 100 Jahre weiter in die Vergangenheit zurückzuverfolgen, als es die Kirchen - und Kaufbücher für sich allein ermöglicht hätten. Wie können bloße Namenslisten solches leisten ? Weil sie fast immer eine gewisse Reihenfolge einhalten, die es gestattet, jeden Namen oder wenigstens die meisten ganz bestimmten Gütern, Wirtschaften oder Einzelhäusern zuzuordnen. Das ist freilich nur möglich, wenn man, von der gegenwärtigen Ortsliste ausgehend, mit Hilfe der Grund - und Kaufbücher die Kaufgeschichte aller größeren Besitzungen innerhalb eines Dorfes soweit festgestellt hat, daß man bis zum ältesten Kaufbuch jeden Wechsel in der amtlich geltenden Grundstücksordnung kennt. Eine noch soweit ausgreifende, höchst mühevolle Arbeit kann freilich der Einzellfamilienforscher nicht bewältigen. Das ist Aufgabe des Heimatforschers, der sich auf diese Weise eine Plattform schafft, von der aus er nicht nur zahlreichen Familienforschern wertvolle Dienste leisten, sondern auch allen möglichen anderen Fragen der Heimatgeschichte mit sicherem Erfolg zu Leibe gehen kann. (Chemnitz 1934)


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